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Sichtbares Gedenken

 

Persönliche Erinnerungszeichen zeigen den Wandel der Friedhofskultur 

 

Im Althochdeutschen bezeichnet „frithof“ einen eingefriedeten Bereich rund um eine Kirche – einen geschützten Ort also. Zum „Hof des Friedens“ wurde der Kirchhof oder Gottesacker erst im Lauf der Jahrhunderte. Das hat viel mit den gesellschaftlichen Entwicklungen zu tun, die sich nicht zuletzt in der Gestaltung der letzten Ruhestätten und des gesamten Ensembles widerspiegeln. Heute ist der Friedhof ein Ort des Trauerns und des Gedenkens. Zugleich ist er ein Ort, an dem Hinterbliebene ihren inneren Frieden finden können. Immer mehr Menschen nutzen die oft parkähnlichen Anlagen zudem für eine persönliche Auszeit, für eine Meditation oder einfach dazu, für eine Weile zur Ruhe zu kommen.

Wer mit wachem Blick durch Gräberreihen und an Urnenwänden vorbeigeht, stellt fest, dass sich in den vergangenen Jahren auf dem Friedhof viel geändert hat. Statt fast uniformer Grabfelder mit dem immer gleichen grauen oder weißen Granitstein finden sich zunehmend ganz persönliche Trauerzeichen. Dazu gehören beispielsweise Kuscheltiere, kleine Engel, österliche oder weihnachtliche Dekorationen, bunte Bänder in den Bäumen oder Fotos und Briefe. Das mag so mancher Friedhofsverwaltung gegen den Strich gehen und ästhetischen Grundsätzen widersprechen – ist aber die Rückkehr zum individuellen Gedenken – und Teil unserer Erinnerungskultur.

Das Grab wird immer häufiger zum sehr persönlichen Ort des Trostes.
Foto: GPP/Aeternitas

Ein Licht in der Dunkelheit

 

Am höchsten Fest der Christenheit spielen Osterkerze und Osterfeuer eine wichtige Rolle

Die Osterkerze ist ein uraltes christliches Zeichen der Auferstehung.
Foto: Pixabay

Vergiss mich nicht

 

Der Frühling ist die Zeit des Neubeginns – Symbolpflanzen auf dem Grab halten die Erinnerung lebendig 

 

Der Gang zum Friedhof ist für viele Angehörige ein festes Ritual. Hier können sie Zwiesprache mit dem Verstorbenen halten, hier treffen sie mitfühlende Menschen, die aus eigener Erfahrung Trauer und Verlassenheit kennen. Da kann selbst ein kurzes Gespräch über die Grabbepflanzung tröstlicher werden als eine professionelle Trauerberatung – besonders jetzt, im Frühling, wenn das Leben sich endlich wieder von seiner bunten Seite zeigt. Vögel zwitschern in den uralten Friedhofsbäumen, Gärtner schieben Schubkarren voller frischer Erde und Blumen, kehren das welke Herbstlaub von den Wegen. Auf dem Nachbargrab prunken schon Stiefmütterchen und Bellis. Da keimt bei aller Trauer Zuversicht auf. Das Leben geht weiter. Es wird Zeit, die Grabstelle von der Last der dunklen Jahreszeit zu befreien und ihr ein Frühlingsgesicht zu geben.

Trauer braucht einen Ort des Trostes. Der Friedhof im Frühling ist dafür prädestiniert.
Foto: GPP

Und was symbolisiert diese Zeit des Erwachens besser als die Klassiker dieser Jahreszeit, Krokusse, Narzissen, Tulpen, Bellis, Hornveilchen, Hyazinthen? Dazu als Rahmen immergrüne Bodendecker. Diese haben zudem noch einen Mehrwert: Sie verhindern zuverlässig, dass Unkraut allzu üppig sprießt. Ysander, Efeu oder Haselwurz sind robust und pflegeleicht. Und sie kommen mit wenig Licht und Feuchtigkeit aus.  Ein besonderes Schauspiel bietet im Frühjahr der  Wurmfarn (Dryopteris affinis „Pinderi“), wenn er ganz allmählich seine Blätter entrollt. Er liebt übrigens schattige Lagen. Das gilt auch für die Golderdbeere (Waldsteinia ternata). Sie strahlt im April und als goldgelber Blütenteppich. 

 

„Das Äussere einer Pflanze ist nur die eine Hälfte der Wirklichkeit“. So philosophierte bereits Johann Wolfgang Goethe (1749 – 1832). Doch schon sehr viel früher haben die Menschen gewissen Pflanzen (menschliche) Eigenschaften zugesprochen. So lässt sich mit unzähligen Gewächsen ausdrücken, was Worte nicht zu sagen vermögen. Vergissmeinnicht beispielsweise stehen für einen Abschied in Liebe, aber auch für die Erinnerung. Stechpalme, Wacholder, Birke, Hasel, Lavendel, Schafgarbe, Kornblume, Jungfer im Grünen und Mistel sollen das Böse abwehren. Kornblume, Mimose, Akazie und Zeder symbolisieren Beständigkeit. Als Zeichen der Erinnerung pflanzt man Immergrün, Lavendel, Stiefmütterchen und Thymian. Frieden verheißen Linde, Lorbeer, Myrte, Palme, Stechpalme und Verbene. Nun lässt sich eine Linde nicht unbedingt auf ein Grab pflanzen. Aber auch im heimischen Garten kann eine Symbolpflanze 

Ostern ist das älteste und das höchste Fest der Christenheit. An Ostern feiern die Gläubigen die Auferstehung Jesu – und sie feiern, dass der Tod nicht mehr das Ende, sondern der Beginn eines neuen Lebens ist. Das Leben siegt über den Tod, die Liebe über den Hass. Sie feiern damit das Ende der Karwoche, die wie keine andere im Jahreslauf von Gegensätzen geprägt ist. „Kar“ hat seine Wurzeln im Althochdeutschen „chara“ oder „kara“ und bedeutet Kummer, klagen oder trauern.

 

Der Beginn der Karwoche ist aber noch von fast österlicher Freude geprägt. So erinnert der Palmsonntag mit seinen feierlichen Prozessionen an den Einzug Jesu in Jerusalem. Der Gründonnerstag ist dem Gedenken an das letzte Abendmahl vor der Kreuzigung Jesu gewidmet, das eigentlich das erste Abendmahl war. Die Bezeichnung Gründonnerstag kann übrigens auf verschiedene Erklärungen zurückgeführt werden, die häufigste ist, dass „grün“ eine Ableitung vom mittelhochdeutschen „Greinen“ (= Weinen) ist. Der Karfreitag ist der Todestag Jesu. Der Karsamstag wird häufig schon zum Osterfest gezählt, jedoch beginnt das Osterfest erst mit dem Gottesdienst in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag.

 

Deshalb ist auch die Feier der Osternacht in den christlichen Kirchen das wichtigste liturgische Fest. Osterfeuer und Osterkerze spielen dabei eine wichtige Rolle. Denn die Lichtfeier ist unverzichtbarer Bestandteil der Osternacht in allen christlichen Kirchen. Die Gläubigen entzünden ihre mitgebrachten Kerzen an der Osterkerze; nach der Zeit der Dunkelheit, also der Zeit von Gründonnerstag an, erstrahlen die Kirchen wieder im hellen Licht. Oft wird auch vor der Kirche ein richtiges Osterfeuer entfacht. Dieser Brauch stammt noch aus vorchristlicher Zeit. Frühlingsfeuer sollten mit ihrer Magie die Sonne wieder auf die Erde holen. Die ersten christlichen Osterfeuer gab es um 750 in Frankreich, seit dem 11. Jahrhundert sind sie im deutschsprachigen Raum verbreitet.

 

Erstmals erwähnt wurde eine Osterkerze übrigens 384 in Piacenca in einem Brief des Kirchengelehrten Hieronymus. Spätestens 417 feierte Papst Zosimus in Rom mit einer Osterkerze die Osternacht. Im 10. Jahrhundert  etablierte sich der Brauch; die Kerze brennt während der ganzen Osterfestzeit bis Pfingsten. Danach wird sie neben den Taufstein gestellt und bei Taufen angezündet.

Doch warum fällt Ostern – im Gegensatz zu Weihnachten – nicht immer auf den gleichen Termin? Das liegt in gleich zwei Traditionen begründet: Die Christen feiern die Auferstehung Jesu analog dem jüdischen Passahfest, denn Jesu ist am dritten Tag nach Passah auferstanden. Das Passahfest findet am 14. Nisan, der ersten Vollmondnacht des ersten Monats des Jahres nach dem babylonischem Mondkalender, statt und erinnert an den Auszug Israels aus Ägyptens. Die westliche Kirche einigte sich nach der Einführung des gregorianischen Kalenders darauf, Ostern am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond (frühestens am 22. März und spätestens am 25. April) zu feiern.  

Traute Helmers schreibt in ihrer Studie „Schöne Orte den Toten“ dazu: „Erinnerungsformen, die vormals als ‚peinlich, hilflos etc.‘ registriert beziehungsweise eliminiert wurden, erfahren eine Aufwertung zum gewollten, visuellen Kommentar des Ortes. Das Banale wird als absichtsvolle wie auch als beiläufige Erscheinungsform sozialer Gedächtnisse geschichtsfähig.“ Mit anderen Worten: Solche Erinnerungszeichen sind zugleich Symbole der Liebe und der Zuneigung zu dem Toten.

 

Dem widerspricht nur auf den ersten Blick, dass hierzulande immer mehr Verstorbene eingeäschert werden. Das häufig zu hörende Argument ist: Das ist billiger, und die Angehörigen haben keinen großen Grabpflegeaufwand. Das mag der Fall sein. Doch in vielen Fällen steckt ein ganz anderer letzter Wunsch dahinter. Der lässt sich ganz einfach mit „zurück zur Natur“ beschreiben. Sich auf seiner letzten Reise ganz unmittelbar in den Kreislauf von Werden und Vergehen einzureihen, Teil eines großen Ganzen zu sein, hat etwas ungemein Tröstliches.