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V.li.: Stadtrat Manuel Pretzl, Regierungspräsidentin Maria Els, Metzgerin Viktoria Probst, Maßschneiderin Ramona Hentschel, Trachtenschneiderin Elisabeth Hölzl und Kammerpräsident Franz Xaver Peteranderl.
Foto: HWK München/Obb.

Ehrung für 83 Siegerinnen und Sieger 

 

Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks auf Kammerebene
vergibt Urkunden

Die Siegerinnen und Sieger in 83 verschiedenen Handwerksberufen sind bei einer Feierstunde in München ausgezeichnet worden. Sie erhielten Urkunden als Oberbayerns beste Absolventinnen und Absolventen im jeweiligen Beruf. Kammerpräsident Franz Xaver Peteranderl lobte: „Ihr Fleiß und Ihr Talent haben Sie zu den Besten Ihres Jahrganges gemacht. Darauf können Sie stolz sein!“

 

Das Handwerk bietet jungen Menschen rund 130 verschiedene Ausbildungsberufe. Peteranderl nannte ausbildungsstarke Bereiche wie Kfz, Elektro, Metall, Bau und das Nahrungsmittelhandwerk, die bei diesem Wettbewerb traditionell stark vertreten sind. Auch Holz-, Textil- und Gesundheitsberufe spielen zahlenmäßig eine große Rolle. Der Kammerpräsident lobte aber auch die Ausbildungsleistung in Berufen, die weniger im Rampenlicht stehen, wie Bootsbauer, Glasapparatebauer, Handzuginstrumentenmacher oder Klavier- und Cembalobauer. „Jeder Beruf hat seinen festen Platz im Handwerk und in der Gesellschaft und wird täglich gebraucht“, sagte der Kammerpräsident.

 

Peteranderl verwies auf das konstant starke Ausbildungsniveau im oberbayerischen Handwerk und fügte hinzu: „Ganz besonders freut es mich, dass wir auch immer mehr junge Menschen mit Fluchthintergrund ausbilden. Wir bieten ihnen eine Perspektive in den Betrieben und damit die Chance auf einen Neustart. Dafür stehen wir im Handwerk und darauf sind wir auch stolz.“ 

Doppelt qualifiziert

 

Immer mehr junge Menschen mit Abitur entscheiden sich für eine duale Ausbildung – Initiative „Praktisch unschlagbar“ informiert 

 

Lehre mit Abitur, warum nicht? Im Handel gibt es seit Kurzem die sogenannte Abiturientenausbildung. Innerhalb von drei Jahren können Auszubildende damit gleich zwei Abschlüsse erwerben, mit guten Karriereperspektiven: 80 Prozent aller Führungskräfte im Handel haben sich über eine Ausbildung qualifiziert, sagt Wilfried Malcher, Geschäftsführer Bildung und Berufsbildung beim Handelsverband Deutschland (HDE) im Interview.

 

Herr Malcher, der Handel wirbt mit der dualen Ausbildung verstärkt um Abiturientinnen und Abiturienten. Wer kann ein solches Abiturientenprogramm absolvieren?

 

Wilfreid Malcher: Volljährige und leistungsorientierte junge Menschen, die ihre Karriere im Handel starten wollen. Bei uns im Handel hat sich der Name Abiturientenprogramm durchgesetzt, vermutlich, weil früher im Grunde alle Teilnehmer Abitur hatten. Die Hochschulreife ist nicht zwingend, in der Praxis haben die meisten Auszubildenden sie.

Auszeichnung auch für Ausbilder

 

Für die nächste Stufe auf der Karriereleiter empfahl der Kammerpräsident den Berufssiegern die Meisterprüfung: „Sie schafft die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start als selbständiger Unternehmer, Führungskraft und Ausbilder.“ Dabei erinnerte Peteranderl an den Meisterbonus als finanzielle Unterstützung, für den das Handwerk erfolgreich gekämpft habe. Der Bonus beträgt seit diesem Jahr 1500 Euro und wird nach erfolgreichem Abschluss automatisch über die Handwerkskammer ausgezahlt.

 

Den Kammersiegerinnen und -siegern wünschte Peteranderl viel Erfolg für den weiteren Wettbewerbsverlauf: „Wir freuen uns, wenn viele von Ihnen als Landes- oder Bundessieger wiederkommen.“

 

Für die Landeshauptstadt München gratulierte Stadtrat Manuel Pretzl. Im Rahmen der Veranstaltung ehrte die Handwerkskammer außerdem zehn verdiente Ausbilder. Diese erhielten von Maria Els, Regierungspräsidentin von Oberbayern, eine Urkunde des Bayerischen Wirtschaftsministeriums.

Was bieten Sie den Teilnehmern an?

 

Beim Abiturientenprogramm erwerben Lehrlinge in drei Jahren neben dem Ausbildungsabschluss – vor allem Kaufmann oder Kauffrau im Einzelhandel – auch einen Fortbildungsberuf: Geprüfter Handelsfachwirt oder Fachwirtin für Vertrieb im Einzelhandel. Das Kompetenzniveau und auch die Einkommenschancen, die man damit erwirbt, sind denen eines hochschulischen Bachelor-Abschlusses mindestens gleichwertig. Wer solch ein Abiturientenprogramm durchläuft, kann später im Betrieb durchaus gleiche oder höhere Positionen erreichen als der Kollege mit dem Bachelor-Abschluss. Das ist aber auch eine Besonderheit im Handel, wo 80 Prozent der Führungskräfte sich über eine Berufsausbildung qualifiziert haben und nur 20 Prozent durch ein Hochschulstudium.

 

Was genau sind die Vorteile im Vergleich zu einem Studium?

 

Die Auszubildenden können von Anfang an das im Seminar Gelernte in der betrieblichen Praxis anwenden. Und sie erwerben in relativ überschaubarer Zeit gleich drei hoch anerkannte Abschlüsse: Einen Ausbildungsberuf, die Ausbildereignung und einen Fortbildungsberuf – beste Voraussetzungen für eine berufliche Karriere im Handel, auch ohne Studium. Wer will, kann das natürlich auch noch dranhängen.

 

Welche Ausbildungsberufe im Handel gibt es, die sich besonders für das Abiturientenprogramm anbieten?

 

Die beiden zentralen Ausbildungen für das Abiturientenprogramm sind Kauffrau im Einzelhandel oder Kaufmann im Groß- und Außenhandel. Ab 2018 wird der Ausbildungsberuf Kaufmann im E-Commerce ganz neu eingeführt, weil wir im Internethandel den Wachstumsmotor für den Einzelhandel sehen. Wir gehen davon aus, dass dieser Ausbildungsberuf für künftige Varianten der Abiturientenprogramme mit dem ebenfalls geplanten Fortbildungsberuf Fachwirtin für E-Commerce verknüpft werden wird.

 

Wie ist die Abiturientenausbildung im Handel aufgebaut?

 

Die Ausbildung teilt sich in betriebliche Praxisphasen und Seminarphasen im Bildungszentrum. Dabei vermitteln beide in abgestimmter Form zunächst die Inhalte des Ausbildungsberufs. Nach etwa 18 Monaten wird dann die Ausbildungsabschlussprüfung bei der IHK abgelegt. Danach beginnt die Vorbereitung auf die Fortbildungsprüfung, die – nach weiteren 18 Monaten – auch von einem Prüfungsausschuss der IHK abgenommen wird. In Absprache mit dem Betrieb können Auszubildenden auch die Qualifizierung zum Ausbilder oder zur Ausbilderin erwerben.

 

Herr Malcher, vielen Dank für das Gespräch.

 

Über die vielfältigen Möglichkeiten und Perspektiven der beruflichen Bildung informiert das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Kampagne „Du + Deine Ausbildung = Praktisch unschlagbar!“ unter www.praktisch-unschlagbar.de.

Meistertitel ist wieder gefragt

 

Staatsregierung und Handwerkstag wollen praktische Arbeit wieder mehr geschätzt sehen

Arbeit mit den Händen ist einiges wert – davon wissen Bäcker zu erzählen.
Foto: Pixabay

Der Bayerische Handwerkstag (BHT) begrüßt den Beschluss der Bayerischen Staatsregierung, eine Bundesratsinitiative zur Wiedereinführung der Meisterpflicht in verschiedenen Handwerksberufen zu starten. „Der Meisterbrief steht für hochwertige Ausbildungsleistung und für Erfolg am Markt. Er bürgt für höchste Qualität in der Arbeitsausführung und ist damit auch ein Gütesiegel für Verbraucher“, sagt BHT-Präsident Franz Xaver Peteranderl.

 

Gleichzeitig gilt es, die berufliche Bildung zu stärken. „Handwerk und Mittelstand leiden unter dem Run auf die Hochschulen. 2017 konnten 6300 Lehrstellen im bayerischen Handwerk nicht besetzt werden. Viele junge Leute studieren, weil sie sich dadurch bessere Chancen auf einen Job versprechen. Das Gegenteil ist aber der Fall: Immer mehr Studiengänge bereiten nicht zielgerichtet auf einen Beruf vor. Das ist bei einer Berufsausbildung mit bundesweit einheitlichen Ausbildungsordnungen anders. Wir müssen praktische Arbeit wieder mehr wertschätzen!“, sagt der BHT-Präsident. Bei der Novelle der Handwerksordnung 2004 wurde von der Rot-Grünen Bundesregierung gegen den Widerstand des Handwerks die Meisterpflicht in 53 Gewerken abgeschafft. Seitdem benötigen zum Beispiel Raumausstatter oder Fliesenleger keinen Meistertitel mehr, um sich selbstständig zu machen. „Hinzu kommt, dass zum Nachteil der Verbraucher nicht einmal auf die Einführung einer Mindestqualifikation in Form des Gesellenbriefs geachtet wurde“, sagt Peteranderl. „In der Folge explodierten die Betriebszahlen in verschiedenen Berufen regelrecht, ohne dass zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen und Auszubildende eingestellt wurden.“

Wilfried Malcher, Geschäftsführer im HDE.              

Foto: privat